Belauscht.de sagt Tschüss!

Wir feiern den 10. Geburtstag von belauscht.de!

Am 13. August 2006 erblickte belauscht.de das Licht der Welt. Kaum zu glauben, aber als wir die Seite gründeten, kannte Facebook hierzulande noch niemand, das iPhone gab es noch nicht, von Whatsapp oder Videostreaming ganz zu schweigen. Unser Blog darf also durchaus als ein kleiner Methusalem im Netzzeitalter bezeichnet werden.

Über das 10. Jubiläum freuen wir uns sehr – gleichzeitig ist es für uns ein Anlass, eine gar nicht leichte Entscheidung zu verkünden: wir werden den regelmäßigen Betrieb von belauscht.de von nun an einstellen und die Seite als Archiv weiterführen. Ab sofort werden wir keine neuen Einsendungen mehr posten.

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Befördert – in Bus und Bahn

Feb 2007
24

Zürich, in der Tram Nr.3, Haltestelle Kunsthaus.

Kurz nachdem die Tram losfährt, knallt ein weißer Plastiksack mit voller Wucht gegen die Scheibe der Fahrerkabine und gegen die erste Tür. Die Bahn hält mit einem Ruck nach kaum einem Meter Fahrt an, die vorderste Tür öffnet sich und der Tütenschwinger, zum Erstaunen aller ein gebrechlicher, etwa 80jähriger Mann, erklimmt die zwei Stufen. Da steht auch schon der Fahrer vor ihm, drückt ihm den Zeigefinger ins Gesicht und schreit:

“Wenn Sie das noch einmal, NOCH EINMAL machen, dann sorge ich dafür, dass Sie nie mehr Bahn fahren dürfen. Sind sei eigentlich nicht ganz richtig im Kopf?”.

Der Alte, sichtlich überfordert, aber fuchsteufelswild, hält seinerseits den Zeigefinger empor und zettert in voller Lautstärke:

“Und Sie…Sie… Sie noch einmal… Abfahren! Frechheit!”

Das Publikum im Wagen starrt halb verblüfft, halb gespannt den beiden Duellierenden entgegen, die noch einige Freundlichkeiten austauschen, ohne den jeweils anderen zu verstehen, bis der Fahrer sich wutentbrannt in die Kabine zurückzieht und das Türchen hinter sich zuknallt, der Alte sich völlig verstört, schnaubend und zitternd hinsetzt und die Bahn endlich abfährt. Betretene, fassungslose Stille im Wagen.
Da sagt ein etwa 16-jähriger hinter mir für alle gut hörbar zu sich selbst:

“Tztz… Also zu meiner Zeit hats sowas nicht gegeben…”

Die ganze Bahn schüttete sich noch Haltestellen später aus vor Lachen.

belauscht in Zürich von Huni

Feb 2007
23

Dortmund, Bus 440 Richtung Flughafen.

Älterer Herr der nicht ganz frisch aussieht, steigt in den Bus und zeigt sein Ticket vor. Der Busfahrer nimmt das Ticket für genauere Untersuchung in die Hand.

Busfahrer: “Wo sin ´se denn vorher eingestiegen?”

Alter Herr: “In der Innenstadt. Und jetzt war ich noch Einkaufen, in Hombruch.”

Busfahrer: “Das liegt ja nicht auf dem Weg. Mit dem Ticket hier dürfen ´se keine Rundreise machen.”

Alter Herr (mit scharfem Ton, so als wäre es äußerst relevant): “Ich war aber beim Pferdemetzger!”

Der Busfahrer guckt ihn verdutzt an und deutet ihm mit der Hand, er solle einsteigen. Wortlos schaut er mich fragend an, als ich ihm mein Ticket zeige. Ich lächle und kann erahnen, dass der Busfahrer mit dem Pferdemetzger nicht gerechnet hat und so perplex ist, dass er zu keinem Kommentar fähig war.

belauscht in Dortmund von Dennis

Feb 2007
23

München in der Straßenbahn.

Zwei ältere Damen in der Strassenbahn während einer Hitzewelle:

Omachen #1: “Heute ist es so heiss, zum Frühstück hab ich nur eine Marmeladensemmel gegessen und ein Bier getrunken!”
Omachen #2 (empört): “Das können Sie doch nicht machen, zum Bier schmeckt doch keine Marmelade!”

belauscht in München von Thomas

Feb 2007
21

Nürnberg, im Regionalexpress.

Mutter, Tochter und Freundin der Tochter (beide ca. 13) unterhalten sich.

Freundin der Tochter: “…Mein Cousin und meine Cousine sind nämlich Zwillinge.”
Mutter: “Und? Kann man sie auseinanderhalten?”

belauscht in Nürnberg von Alex

Feb 2007
19

Köln, in der U-Bahn. Zwischen Rudolf- und Friesenplatz.

Ich will nur die eine Station fahren, aber wir stehen schon fünf Minuten im Tunnel. Dann kommt eine recht eloquente, gemütlich vorgetragene Durchsage mit kölschem Einschlag und überbordender Präzision.

(so gut ich mich erinnern kann)

“Guten Abend, hier sprischt der Fahrer Ihrer Linie 12. Isch habe grade mit der Leitstelle telefoniert und erfahren, warum wir jetz hier stehen. Und zwar aus drei Gründen. Der erste ist eine kleine Stellwerksstörung am Ebertplatz, da scheinen wir Probleme zu haben. Der zweite ist ein Rettungseinsatz am Ebertplatz wegen einem erkrankten Fahrgast. Die Rettungskräfte mussten da in die Bahn. Der dritte ist ein Polizeieinsatz hier am Friesenplatz. Da waren Kupplungssurfer. Dat sind Leute, die sisch auf die Kupplung zwischen die Wagen stellen und mitfahren, was, wie isch Ihnen nicht sagen muss, gefährlisch und verboten ist.”

(Pause)

“Vor mir steht die Linie 16 und davor noch ein Zug vor dem Friesenplatz. Also wie lange das dauert, das kann isch Ihnen nischt sagen.”

Zwei Minuten später:

“Isch habe gerade per Funk gesagt bekommen, dass das tatsächlisch stimmt. Also das ist jetzt bestätigt mit der Stellwerkstörung.”

Zwei weitere Minuten später:

“So, jetzt geht es gleich weiter, es ist aber so, dass die Züge sich vorm Ebertplatz stauen. Ich schätze, das sind so fünf bis sechs Züge. Da sind ja auch noch Haltestellen dazwischen. Die Christophstraße und dann schließlich der Hansaring.”

belauscht in Köln von Florian

Feb 2007
15

Bottrop, Sommer 06.

Ein sehr heißer Sommertag. Eine junge Frau, mit einem trotz ihrer großen Oberweite extrem weit ausgeschnittenen Neck-Holder-Oberteil, steigt in einen Bus vorne beim Fahrer ein. Sie möchte ein Einzelticket kaufen, hat aber nur einen 20 Euro-Schein dabei, den sie vor sich in Brusthöhe hält.
Der Fahrer, der sowieso auf Augenhöhe der Oberweite sitzt, starrt, selbst wenn er nur das Geld ansehen wollte, zwangsläufig auf den Busen der Frau.

Die Frau nennt die Zielhaltestelle, ist sich aber nicht sicher wegen des Scheines.

Frau (vorsichtig fragend): “Zu groß?”
Busfahrer (mit starrem Blick): “SEEEHHHR GROß!!!”

belauscht in Bottrop von Marlene

Feb 2007
13

Bremen, in der Straßenbahn.

Eine Junge Famile sitzt in der Bahn, ein älterer Mann steigt zu und setzt sich zu der Familie, die er zu kennen scheint.

Mann: “Ist das deine?” (mit Blick auf die Tochter)
Vater (stolz): “Ja.”

Der Vater richtet den Blick auf seine Frau, die augenscheinlich erneut Nachwuchs erwartet.

Mann: “Oh, noch eins…”
Vater (noch stolzer): “Jahaa!”
Mann: “Macht ja nichts…”

belauscht in Bremen von Jana

Feb 2007
12

Würzburg, in der Straßenbahn.

Gespräch zwischen zwei vor mir sitzenden Schülerinnen, beide ca. 17-18 Jahre alt. Es geht um eine Diskussion in der Schule mit dem Thema Drogen und Suchtgefahr.

#1: “Ich hab bis jetzt nur mal gekifft, aber der Bringer war des auch net…”
#2: “Also ich ja auch, aber mein Ex, der hat ja sogar DSL genommen!!”

belauscht in Würzburg von Maria