Belauscht.de sagt Tschüss!

Wir feiern den 10. Geburtstag von belauscht.de!

Am 13. August 2006 erblickte belauscht.de das Licht der Welt. Kaum zu glauben, aber als wir die Seite gründeten, kannte Facebook hierzulande noch niemand, das iPhone gab es noch nicht, von Whatsapp oder Videostreaming ganz zu schweigen. Unser Blog darf also durchaus als ein kleiner Methusalem im Netzzeitalter bezeichnet werden.

Über das 10. Jubiläum freuen wir uns sehr – gleichzeitig ist es für uns ein Anlass, eine gar nicht leichte Entscheidung zu verkünden: wir werden den regelmäßigen Betrieb von belauscht.de von nun an einstellen und die Seite als Archiv weiterführen. Ab sofort werden wir keine neuen Einsendungen mehr posten.

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Feb 2007
22

Regensburg, im Auto unterwegs auf der Stadtautobahn.

Der siebenjährige Sohn fragt: “Warum sind hier so viele Notrufsäulen? Wer bezahlt die eigentlich alle? – Was ist eigentlich Geld”

Bevor ich antworten kann, packt er aus, was er selbst schon weiß:

“Also, das mit dem Geld ist doch nur ein Tauschen von Sachen: Mohnzucker gegen Konzertflügel, Kirchturm gegen Hochhaus. Da ist es auch ganz einfach, weil beide gleich viel wert sind… obwohl, beim Hochhaus kommts drauf an, wie es eingerichtet ist; bei einem Kirchturm ist das eigentlich weniger wichtig…”

belauscht in Regensburg von Barbara

Feb 2007
22

Auf der A9, auf einem Rastplatz.

Ein junges, dynamisches Pärchen ist gerade aus dem schnellen Auto ausgestiegen.

Sie: “Was bedeutet eigentlich PS?”
Er: “Pferdestärke.”
Sie: “Hihi! Verarschen kann ich mich selber!”

belauscht auf der Autobahn von Caroline

Feb 2007
21

Nürnberg, im Regionalexpress.

Mutter, Tochter und Freundin der Tochter (beide ca. 13) unterhalten sich.

Freundin der Tochter: “…Mein Cousin und meine Cousine sind nämlich Zwillinge.”
Mutter: “Und? Kann man sie auseinanderhalten?”

belauscht in Nürnberg von Alex

Feb 2007
21

Neu-Ulm, Media Markt.

Ein ca. 16-jähriger Junge, Typ Online-Generation, und sein Vater stehen in der Computerabteilung.
Der Vater hält eine Verpackung mit einem Wireless-LAN-Adapter für eine drahtlose Netzwerkverbindung in der Hand. Er dreht die Verpackung mit hilflosem Blick hin und her und fragt schließlich seinen schon sichtlich genervt wartenden Sohn:

“Ah ja, dieses Teil kommt also in meinen Computer – dann brauchen wir jetzt noch so ein langes Kabel zu diesem Kasten im Flur, gell?”

belauscht in Neu-Ulm von B.Lauscher

Feb 2007
20

Kiel, Uni.

Der Professor erklärt die Notwendigkeit von Wolfram in der Chipherstellung, obwohl es kein besonders guter Leiter ist.

Er erklärt: “…es gibt aber kein anderes Metall was vergleichbar leicht aus der Gasphase abgeschieden werden kann. Ausser vielleicht Uran…”

Zustimmendes und interessiertes Kopfnicken im Seminarraum, klar, wer will schon Uran im Rechner haben. Kurze Pause des Dozenten.

Dann: “Ach übrigens, kommt hier irgendwer aus dem Iran oder Korea? Keiner? Gut! Dann lernen wir im nächsten Kapitel wie man eine Atombombe baut…”

(Schelmisches Grinsen) Verwirrte Blicke der Studenten, besonders seitens des tatsächlich anwesenden iranischen Kommilitonen.

belauscht in Kiel von Gasthörer

Feb 2007
20

Freiburg, Bertoldstraße Höhe Cinemaxx.

Zwei Prolls unterhalten sich.

#1: “He weisch, ne 22jährige Germanistin kennengelernt. He weisch, Germanistin!!”
#2: “He was, hasch ihr auch gezeigt, dass Du Deutscher bist: So Eins – Zwei – Eins – Zwei und so, oddder?”

belauscht in Freiburg von Dirk

Feb 2007
20

Mainz, Frühling 2000. Auf einem kleinen Flohmarkt.

Bei den von uns zu verkaufenden Sachen liegt ein “Ball” in bunten Farben, den man mithilfe von einzeln verbundenen Stäben und Gummiteilen flexibel verformen kann.
Eine ältere Dame ,um die 6o, und ihr Mann treten an den Stand. Sie entdeckt das Spielzeug, nimmt es begeistert in die Hände und meint:

Sie: “Guck mal Erwin, is das nit toll?”
Er: “Joa…”
Sie (zu uns gewandt): “Was soll das denn kosten?”
Wir: “5 Mark.”
Sie: “Ach komm, das nehmen wir mit!”
Er: “Aber was willst du denn überhaupt damit?”
Sie (schweigt zuerst, dann…): “Naja, vielleicht für unsere Kinder!”
Er (verwirrt): “Aber wir haben doch gar keine Kinder!!”
Sie (entrüstet): “Na, dann halt für meine Nichte!”
Er: “Ja, du hast do gar keine Nichte!!”
Sie (sich sichtlich unwohl fühlend): “Ach, jetzt lass mir doch einfach mal meinen Spaß!!”

Er geht kopfschüttelnd und erntnervt weiter und wir müssen uns ziemlich zusammen reißen.

belauscht in Mainz von DrunkenKakadoo

Feb 2007
19

Köln, in der U-Bahn. Zwischen Rudolf- und Friesenplatz.

Ich will nur die eine Station fahren, aber wir stehen schon fünf Minuten im Tunnel. Dann kommt eine recht eloquente, gemütlich vorgetragene Durchsage mit kölschem Einschlag und überbordender Präzision.

(so gut ich mich erinnern kann)

“Guten Abend, hier sprischt der Fahrer Ihrer Linie 12. Isch habe grade mit der Leitstelle telefoniert und erfahren, warum wir jetz hier stehen. Und zwar aus drei Gründen. Der erste ist eine kleine Stellwerksstörung am Ebertplatz, da scheinen wir Probleme zu haben. Der zweite ist ein Rettungseinsatz am Ebertplatz wegen einem erkrankten Fahrgast. Die Rettungskräfte mussten da in die Bahn. Der dritte ist ein Polizeieinsatz hier am Friesenplatz. Da waren Kupplungssurfer. Dat sind Leute, die sisch auf die Kupplung zwischen die Wagen stellen und mitfahren, was, wie isch Ihnen nicht sagen muss, gefährlisch und verboten ist.”

(Pause)

“Vor mir steht die Linie 16 und davor noch ein Zug vor dem Friesenplatz. Also wie lange das dauert, das kann isch Ihnen nischt sagen.”

Zwei Minuten später:

“Isch habe gerade per Funk gesagt bekommen, dass das tatsächlisch stimmt. Also das ist jetzt bestätigt mit der Stellwerkstörung.”

Zwei weitere Minuten später:

“So, jetzt geht es gleich weiter, es ist aber so, dass die Züge sich vorm Ebertplatz stauen. Ich schätze, das sind so fünf bis sechs Züge. Da sind ja auch noch Haltestellen dazwischen. Die Christophstraße und dann schließlich der Hansaring.”

belauscht in Köln von Florian