Belauscht.de sagt Tschüss!

Wir feiern den 10. Geburtstag von belauscht.de!

Am 13. August 2006 erblickte belauscht.de das Licht der Welt. Kaum zu glauben, aber als wir die Seite gründeten, kannte Facebook hierzulande noch niemand, das iPhone gab es noch nicht, von Whatsapp oder Videostreaming ganz zu schweigen. Unser Blog darf also durchaus als ein kleiner Methusalem im Netzzeitalter bezeichnet werden.

Über das 10. Jubiläum freuen wir uns sehr – gleichzeitig ist es für uns ein Anlass, eine gar nicht leichte Entscheidung zu verkünden: wir werden den regelmäßigen Betrieb von belauscht.de von nun an einstellen und die Seite als Archiv weiterführen. Ab sofort werden wir keine neuen Einsendungen mehr posten.

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Befördert – in Bus und Bahn

Jun 2008
09

Berlin, U-Bahnhof Potsdamer Platz.

Zwei Mädchen im Teenageralter, augenscheinlich Geschwister, führen schon eine Weile lang eine Diskussion um die Frage, welches Instrument denn nun das Bessere sei, Geige oder Gitarre, bis sich die eine folgendermaßen äußert:

#1: “Hallo? Geige ist doch voll bescheuert! Damit kann man gar nichts anfangen! Okay, du kannst damit später vielleicht mal in Symphonieorchestern oder auf Konzerten spielen. Aber in der U-Bahn, da könntest du nicht spielen!”

belauscht in Berlin von Miriam

Jun 2008
03

Köln, U-Bahn Linie 4, Haltestelle Körnerstraße.

Später Abend. Zwei Stadtstreicher steigen in die Bahn ein, der eine mit einer Sporttasche, der andere mit einer arg zerdengelten Packung Zigaretten in der Hand. Offensichtlich sind sie beide stark angetrunken. Als die Bahn losfährt, fangen die beiden lautstark an zu diskutieren:

#1: “Ey, schau mal nach, wieviele Kippen sind in der Magnum?”
#2 macht die Schachtel auf, schaut rein: “10!”
#1: “Kann garnicht sein, schau nochmal!”
#2 schaut nochmal: “9!”
#1: “Du bist doch blöd! Das kann nicht sein, gib mal her!”
#2 gibt ihm die Schachtel.
#1 zählt selbst nach, schaut verdutzt: “9!”
#2: “Sach ich doch!”
#1 gibt ihm die Packung zurück: “Kann aber nicht sein!”
#2: “Doch, wir haben doch eben in der Kneipe noch welche geraucht!”
#1: “Quatsch, das sind nicht so wenige, in jeder Marlboro sind 17 Stück und das da ist ne Big Box! Schau doch mal da drauf!”
#2 versteht ihn offensichtlich nicht, öffnet die Packung erneut und schaut nach: “8!”
#1: “Nee, gib mal her, zeig ich dir!”
#2 gibt ihm die Zigaretten.
#1 dreht die Packung ein wenig in den Händen, schaut von außen drauf, dann triumphierend: “Da stehts doch! 24 sind da drin!”
#2 verdutzt: “Wie jetzt?”
#1 zeigt mit dem Finger auf die außen aufgedruckte ’24′: “Ja steht doch da!”
#2 erleichtert: “Dann’s ja gut, dann reichen die ja doch noch für heute Abend!”

belauscht in Köln von Lennart

Mai 2008
31

Bremen, Hauptbahnhof.

Der Intercity von Hamburg nach Köln hält einige Minuten vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof Bremen. Durchsage des Lokführers

“Sehr geehrte Fahrgäste, unsere Einfahrt in den Hauptbahnhof Bremen verzögert sich noch um wenige Minuten, da wir zu früh sind.”

Mikro aus, lange Pause…dann:

“Ja, auch DAS kommt bei uns mal vor!”

belauscht in Bremen von Marc

Mai 2008
30

München, U6 Richtung Münchener Freiheit.

Zwei ca. 15-jährige Teenie-Mädels steigen beim Odeonsplatz in die U-Bahn Richtung Münchener Freiheit ein und setzen sich mir gegenüber.

Mädchen #1: “Was machst Du heut noch?”
Mädchen #2: “Ich geh zum Jusuf.”
Mädchen #1: “Echt, bist Du immer noch mit dem zusammen? Der ist doch langweilig.”
Mädchen #2: “Ja, hast recht. Glaub ich mach Schluss heute.”
Mädchen #1: “Echt? Geil. Kann ich mitkommen, zugucken?”

belauscht in München von Judith

Mai 2008
27

Im Zug zwischen Bielefeld und Kaiserslautern.

Eine alte Dame sitzt im Zug, der Sitz neben ihr ist noch frei. Zu ihr gesellt sich ein ebenfalls älterer Herr, der akribisch sein Gepäck verstaut. Einige Minuten später – beide sitzen still da – meldet sich ein Handy lauthals mit einem aktuellen Klingeltonlied.

Sie: “Also wirklich, immer diese Handys… Das ist ja eine Plage. Überall wo man hinkommt bimmeln die Dinger und lassen einem keine Ruhe, nicht mal im IC bleibt man von denen verschont.”
Er: “Ja, da haben sie allerdings Recht. Jetzt fängt sogar meine kleine Enkelin schon damit an… Ständig neue Klingeltöne und Spiele und weissnochalles… Das muss ja auch alles bezahlt werden!”
Sie: “Ja, am liebsten immer von den Eltern.”
Er: “Und wer braucht sowas auch schon? Früher hats ja auch funktioniert, nur mit den Telefonzellen!”

So geht es noch fast eine Minute weiter, bis…

Er: “Oh entschuldigen sie mich bitte kurz.” – Und zieht ein nagelneues Handy aus seiner Hosentasche…

belauscht zwischen Bielefeld und Kaiserslautern von Sekara

Mai 2008
12

Bremen, Straßenbahnlinie 3.

Ich sitze in der Straßenbahn. Links von mir sitzt ein Mann auf der anderen Seite des Gangs. Die Plätze neben und gegenüber von ihm sind leer. Irgendwann murmelt er kurz etwas. Ich bin leicht irritiert, da ich mich frage, ob er mit mir gesprochen hat, ignoriere ihn dann aber, weil er mich auch nicht ansieht.

Eine Weile später:

Mann: “Hatschi!” (niest wirklich)
Derselbe Mann (leise und in sich versunken): “Gesundheit! – Danke!”

belauscht in Bremen von Dedi

Mai 2008
11

Heidelberg, Bismarckplatz.

Ich bin gerade noch rechtzeitig in die Straßenbahn eingestiegen und setzte mich auf einen leeren Platz als auf einmal der Fahrer über seine Sprechanlage einem offenbar etwas rüpelhaften Zeitgenossen (der auch nicht mehr mitfahren durfte) Folgendes mitteilt:

“Gege die Straßeboah muss mer ned trete wenn mer mitfohre will, man muss nur a bissl zeitig do sei.”

belauscht in Heidelberg von Fahrgast

Mai 2008
04

Aachen, Aseag-Bus.

Zwei Typen, Marke HipHop, schauen sich den neuen MP3player des einen an. Auf einmal bemerkt der Besitzer:

“Issisch dem Musik, aber issisch dem nix in sisch – in sisch!”

Was er damit wohl aussagen wollte war: “Das ist mein neuer MP3player, aber ich habe noch keine Musik darauf geladen!”

belauscht in Aachen von DerMaus